

Die Politik der Anerkennung
Zum Zusammenhang von Authentizität und Anerkennung (Charles Taylor)
pp. 175-237
in: , Spuren der Anerkennung, Berlin, Springer, 2014Abstract
Neben Axel Honneth kann der kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor als einer der Autoren im Anerkennungsdiskurs des 20. Jahrhunderts gelten. So hat sein Essay Die Politik der Anerkennung (vgl. Taylor 1993 wie 2009) nicht nur eine "weitreichende[.] und einschlägige[.] Debatte um die Bedeutung von kollektiven Identitäten" (Emcke 2000a, 74) ausgelöst, sondern auch die Diskussionen um die Bedeutung von Anerkennung in der politischen bzw. öffentlichen Sphäre insgesamt maßgeblich geprägt. Während Honneths Anerkennungstheorie in politikphilosophischen und -theoretischen Überlegungen zur Anerkennung von kollektiven Identitäten sowie zur ‚Anerkennung zwischen den Kulturen" lange Zeit eine marginale Rolle spielte, stellt Taylors Essay in diesen einen "Schlüsseltext" (Cooke 2009, 17) dar (vgl. van Leeuwen 2007, 180f.). So lässt sich kaum eine Abhandlung zu Fragen der ‚Anerkennung von Differenz" finden, in der nicht auf ihn zurückgegriffen wird. Im erziehungswissenschaftlichen Diskurs stellte jedoch Honneths Theorie auch in der anerkennungstheoretisch justierten Debatte um (insbesondere kulturelle) ‚Differenz" zumeist die Hauptbezugstheorie dar, was sich wohl auch dem Umstand verdankt, dass Honneth mit seinem Entwurf einer anerkennungstheoretischen Ethik einen Vermittlungsrahmen verschiedener sozialphilosophischer Ansätze bietet, mit dem Gleichheit und Differenz, Universalität und Partikularität als verschiedene normative Ebenen fassbar werden und der in seiner formalen Ausrichtung der Auflösung traditionaler Lebenszusammenhänge, der Pluralisierung von Lebensstilen, Werteordnungen und kulturellen Praktiken sowie der Multinationalität und Multiethnizität westlicher Gesellschaften Rechnung trägt. An Taylors Politik der Anerkennung lässt sich dennoch "jene Grundintuition einer interkulturellen Anerkennung ablesen" (Bedorf 2010, 18), die sowohl in den Kultur- und Sozialwissenschaften als auch in der Erziehungswissenschaft "auch jenseits des Taylorschen Ansatzes Bedeutung erlangt hat" (ebd.).