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Publication details

Publisher: Verlag für Sozialwissenschaften

Place: Wiesbaden

Year: 1996

Pages: 64-89

Series: Studien zur Sozialwissenschaft

ISBN (Hardback): 9783531127989

Full citation:

, "Die Idee einer allgemeinen Systemlehre", in: Allgemeine Systemtheorie, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 1996

Die Idee einer allgemeinen Systemlehre

Ludwig v. Bertalanffys organismisches Programm der 30er Jahre

pp. 64-89

in: Klaus Müller, Allgemeine Systemtheorie, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 1996

Abstract

Ludwig von Bertalanffy fängt die intellektuellen Stimmungen der Weimarer Jahre ein und verbindet sie zum Programm einer organismischen Einheitswissenschaft. Seine frühen Arbeiten zu einer allgemeinen Systemlehre, der unmittelbaren Vorform der Allgemeinen Systemtheorie, entspringen einer »theoretischen Biologie«, die den strengen Aufbau einer nicht nur beschreibend klassifizierenden, sondern einer erklärenden Wissenschaft anstrebt. Bertalanffy läßt die in der Biologie seit der Jahrhundertwende vorherrschende Kontroverse zwischen Mechanismus und Vitalismus — einer Kontroverse, der immerhin die methodische Verwendung des Umweltbegriffs sowie die Vorstellung eines »Funktionskreises« als Zone der Anpassung eines Lebewesens an seine »Umwelt« zu verdanken war — hinter sich. Der Begriff der Ganzheit wird von anthropomorphen Implikationen befreit. Die Zweckvorstellungen der vitalistischen Biologie gehen in einen Systembegriff über, der einer mathematischen Analyse standhalten soll. Indem er den Weg einer formalen Kodifizierung einschlägt, erspart sich Bertalanffy eine Reflexion auf die latenten Bedeutungsgehalte der Weimarer Ganzheitsmetaphysik, bleibt dadurch andererseits vor materialen Analogien der Art, wie sie etwa Jakob v. Uexkülls Staatsbiologie (1933) riskiert: bleibt vor der von Helmuth Plessner so treffend charakterisierten »Stunde der autoritären Biologie« bewahrt. Indem er die naturphilosophischen Systemlehren der Vorkriegszeit an die methodischen Standards der zeitgenössischen Wissenschaft heranzuführen versucht, gewinnt Bertalanffy Einfluß auf die in den 40er Jahren entstehende interdisziplinäre Bewegung, die in die Allgemeine Systemtheorie münden wird. Aus dem Problemhorizont seiner theoretischen Biologie heraus entwirft er die Abgrenzungen und das Vokabular, die bis in die gegenwärtige Systemtheorie gültig bleiben: die Unterscheidungen zwischen geschlossenen und offenen Systemen, zwischen Kausalität und funktionaler Komplexität sowie einen »generalisierten« Entropiebegriff. Ich werde diese Konstruktionen in ihrem Zusammenhang darstellen, um an ihnen zugleich die Grenzen der allgemeinen Systemlehre der 30er Jahre aufzuzeigen — Grenzen, die nicht zuletzt aus unabgetragenen Bedeutungsschichten der Weimarer Sozialkosmologie resultieren.1

Publication details

Publisher: Verlag für Sozialwissenschaften

Place: Wiesbaden

Year: 1996

Pages: 64-89

Series: Studien zur Sozialwissenschaft

ISBN (Hardback): 9783531127989

Full citation:

, "Die Idee einer allgemeinen Systemlehre", in: Allgemeine Systemtheorie, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 1996